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Modellbahner Mario stellt sich vor

Modellbahner Mario stellt sich vor

Ich hatte meine erste Modellbahn Ende der 60er mit 5 Jahren. Allerdings sind wir uns über den genauen Zeitpunkt noch etwas im unklaren. Es war Spur TT und eigentlich der Klassiker mit 2 Kreisen in einem 2 gleisigen Bahnhof. So eine Anlage ist gut, um den Verwandten Modellbahn vorzuführen, für ein Kind aber eher langweilig.

Bei Modellbahnern gibt es oft sonst  immer die gleichen Geschichten. Entweder war man von der Modellbahn des Vaters und Opas begeistert und ist quasi Modellbahn-Modellbahner, oder es gibt eine Geschichte von Vater oder Opa auf Brücken über die Eisenbahn oder vom Bahnhof auf man sich, als Dreikäsehoch nicht loseisen konnte und immer wieder hin wollte. Bei mir war es ein wenig von allem. Ich bin mehr oder weniger mit den Lokarchiven meines Vaters aufgewachsen. Ich habe sehr oft und lange hineingeschaut: Bilder betrachtet und Texte von Lokomotiven gelesen, die lange vor meiner Geburt der Schrottpresse zum Opfer gefallen waren. Weil die Lokarchive in der Epoche 3 endeten, komme ich bis zum heutigen Tag mit den EDV Nummern der moderneren Eisenbahnen nicht zurecht. Eventuell sind die Archive auch dafür verantwortlich, dass ich eine andere typische Eigenart nicht weniger Modellbahner eben nicht habe. Denn oft ist es das Ziel, die Epoche der eigenen Jugend nachzubauen. Dies ist dafür verantwortlich, dass die Modellbahner der Epochen 1 und 2 eher selten sind. Die Zahl derer die Epoche 3 nachbauen nimmt immer mehr ab und die Epoche 4 und spätere Epochen, wenn man denn überhaupt nach Epochen fährt, dementgegen einen Zuwachs haben. Gemessen an den Mitgliederzahlen in diversen Facebookgruppen könnte man sowieso glauben, das Modellbahn als Hobby wieder mehr Zuspruch findet. Gerade die Vielfalt der noch vorhandenen

Länderbahnloks und das Zusammentreffen vieler unterschiedlicher Baureihen in den frühen Reichsbahnzeiten haben die frühe Epoche 2 zu meiner Lieblingsepoche gemacht. Die Lok auf dem Bild ist eine sächsische IIIbT, die gab es mal als Bausatz von Model Loco.

Das Vorbild ist eben so eine Lok von der nur sehr wenige Exemplare existieren. Überhaupt noch die Reichsbahnschilder zu bekommen erweist sich schwierig, da sie kurz darauf auf dem Schrottgleis standen. Eben eine Lok, die in der Epoche 3 nie angekommen ist.

1983 bin ich von TT auf H0 umgestiegen, weil das Angebot an Dampflok damals in TT eher bescheiden war (5 verschiedene Modelle). Allerdings führten die Modellbahn und ich zu dieser Zeit eine On-Off-Beziehung. Ein wenig dafür verantwortlich waren einige Kataloge diverser West Hersteller, darunter auch ein Märklin HAMO Katalog, die es nach Osten über die Mauer geschafft hatten. Die damaligen Preise, jenseits der 200,- DM wirkten abschreckend für jemanden, der mit 600 DDR Mark im Monat für seine Arbeit eher durchschnittlich entlohnt wurde war. Daher war die Wende in der DDR auch vorerst mal wieder das “off” im Modellbahnhobby.

Ende der 90er erfolgte dann ein Neustart. Eine für heutige Verhältnisse auch nicht mehr so ganz aktuelle Roco BR 58 in den Farben der sächsischen Länderbahn (auch wenn diese nicht so ganz korrekt waren), überzeugte auch analog mit im Vergleich zu den DDR Piko-Loks, überragenden Fahreigenschaften. Später habe ich alle Vorwendeloks, bis auf wenige Ausnahmen verkauft.

Zuhause entstand eine Regalanlage. Hier geschah auch der Umstieg von Analog auf Digital nachdem ich versucht hatte ein Schaltpult für den Schattenbahnhof zu bauen. Irgendwann wurde mir bewusst, das die Anlage unter anderem auch um den Computer herumführt, da war es naheliegend ihn in die Anlage mit einzubeziehen.

2000 hat man mich bei einer Ausstellung in den MEV Friedrich List Leipzig “gelockt”, in dem ich bis 2014 Mitglied war. Der Verein besteht aus mehreren Gruppen (aktuell sind es 7, früher waren es noch viel mehr). Jede Gruppe betreut eine unterschiedliche Anlage. Die wahrscheinlich größer war, als so mancher Verein westlich der Mauer.
Leider weiß ich auch nicht mehr, wie viele solcher Gruppen der Verein hatte und wie viele aktive Mitglieder. Zu DDR Zeiten werden es aber weit über 100 Mitglieder gewesen sein. Meine Gruppe betreute 2 Anlagen, die man zu einer Großanlage vereinen konnte. Die Anlagen hießen Rauenfels (Foto) und Lindenstadt. Sie wurden Ende der 60er konzipiert und wurden nach und nach auf aktuellen Landschaftsbau angepasst. Leider hat sich die Gruppe aufgelöst, die Anlagen wurden an Privatpersonen verkauft.
In diesem Verein habe ich sehr viel gelernt und konnte mich auf Landschaftsbau, vor allem dem Gewässerbau und der Felsenschnitzerei widmen. Auch Bäume habe ich gebaut. Alles andere drumherum hat man natürlich mit gelernt. In der Gruppe gab es auch mehrere Lokführer, die aus ihrem Alltag erzählt haben. So hatte man auch einen Bezug zum Vorbild. Mal davon abgesehen, dass ein solcher Profi natürlich viel besser weiß, wo zum Beispiel Signale zu stehen haben. Die Gruppe hatte recht gute Beziehungen zur Firma Roco, weshalb mehrere Messeanlagen für diesen Modellbahnhersteller gebaut wurden. An einer habe ich mitgewirkt und konnte auch dort viel lernen. Hier habe ich meine ersten Erfahrungen in der Gewässergestaltung und dem Felsenbau gemacht.

Eine weitere Episode ist die “Poisentalbahn”. Ich hatte die Idee, die Mitglieder der Jugendgruppe Module bauen zu lassen, damit sie Modellbahnbau von A bis Z kennenlernen. Allerdings hatten meine Vereinskollegen Sorge, dass sich die Gruppe thematisch zersplittert, wenn wir auch noch mit Modulen anfangen. Schließlich sollten ja 2 Großanlagen bewirtschaftet werden. Daher wurde dem Projekt nur zugestimmt, wenn die Module keiner bekannten Norm angehören und keine Funktionsfähigkeit bekommen. So blieb der Jugendgruppe das Thema Löten “erspart”. Leider verloren sie schnell die Lust am Bauen und ich musste, da wir das ganze schon bei der nächsten Ausstellung angemeldet hatten, alleine fertig bauen. Da auch ein Name dafür gefunden werden musste und die Windbergbahn bei Dresden eins meiner Lieblingsthemen ist, habe ich die Module nach dem Nachbartal benannt. Im Wissen, dass dort nie eine Bahn war, dem Poisental. So wurde die Poisentalbahn geboren. Erst viel später, ich hatte inzwischen die Facebookseite die “Poisentalbahn” erstellt, erfuhr ich, dass es zumindest mal die Planung gab, dort eine Eisenbahn hinauf zu bauen. Der Plan wurde fallen gelassen und stattdessen die Windbergbahn, als erste deutsche Gebirgseisenbahn gebaut.

Weiterhin konnte ich im Verein Erfahrungen im Ausstellungsbetrieb sammeln und zahlreichen Besuchern das Thema Modellbahn näher bringen. Dies hatte Auswirkungen auf meinen anderen Modellbahnverein in dem ich Mitglied bin, dem Fremo. Beim Fremo geht es zum einen um Modulbau, zum anderen um einen sehr vorbildnahen Betrieb. Man könnte dies auch teilweise als Eisenbahn-Rollenspiel bezeichnen, manche tun das auch. Den Klische-Modellbahner der mit Bahndienstmütze und Kelle dem wartenden Zug die Ausfahrt gewährt, kann man dort finden. Aber eben einen und nicht alle.
Dadurch das ich nun jedes Jahr rund mindestens eine Woche (die ganze Ausstellung dauerte 3 Wochen) in der Öffentlichkeit stand, lernte ich auch andere Modellbahner kennen und konnte nicht nur für den ausstellenden Verein, sondern auch für meine Lieblingsepoche und den Fremo werben. Auch dort, im Fremo habe ich mehrere Jahre lang für die Idee geworben, frühere Epochen, als die damals häufigste Epoche 3 zu fahren. Denn der Großteil des Fremo fuhr Epoche 3 und 4 DB. Alle anderen Gruppen waren eher klein. Jede weitere “Abspaltung” wurde von einigen kritisch betrachtet. Man sorgte sich damals darum, dass man aufgrund der beginnenden Zersplitterung keine Treffen mehr zusammen bekommt. Dies wurde aber durch viele neue Mitglieder kompensiert. Heute gibt es alleine im Bereich H0 mehrere verschiedene Gruppen, die nach verschiedenen Normen Epoche 3-4 DB fahren. Die Normen unterschieden sich in der Feinheit des Materials. Während auf einigen Treffen noch NEM Radsätze zugelassen sind, fordern andere Gruppen RP25, oder RP25 finescale- und es gibt auch eine Gruppe die exakt 1:87 fährt. Da “H0pur” ein geschützer Markenbegriff ist, nennt sich diese Gruppe Fremo87. Die Normen sind aber fast die gleichen.

Aber zurück zu mir:
2004 War es dann soweit. Ich hatte genug Interessenten gefunden, um in einem Teil einer Halle der alten Leipziger Messe das erste Epoche 2 Fremotreffen zu organisieren. Es war auch das letzte Treffen was ich organisiert habe, da wir festgestellt haben, das “organisieren einer Veranstaltung” nicht zu meinen Stärken gehört. Es gab das eine oder andere Problem. Für eine gemischte EP3 Fahrplansession waren nicht genug Fahrzeuge vorhanden, sodass es bei den folgenden Treffen nie wieder zu einem EP3 Fahrplan kam und das Treffen somit zum reinen Epoche 2 Treffen wurde.
Was wir in Leipzig angeregt hatten, hat nun im Fremo weitere Früchte getragen. Ein zweites Treffen hat sich vor einigen Jahren zuerst in Bad Oeynhausen als Teilarrangement eines Epoche 4 Treffens etabliert, seit 2 Jahren gibt es ein eigenes Treffen in Obermarsberg.
Heute ist die FremoOld Fraktion zwar nicht riesig, aber immerhin so groß das es in diesem Jahr (2018) für 3 unterschiedliche Treffen reichen wird. Für das Jahr 2019 spricht man sogar von 4 Epoche 2 Treffen.

Dem Fremo habe ich auch viel zu verdanken. Dadurch das man eher selten gemeinsam baut, es aber eine Art Wettbewerb herrscht, treibt man sich gegenseitig voran. So herrscht bei den Treffen ein relativ hohes Niveau beim Modellbahnbau. Zum Fremo bin ich übrigens über das Internet gekommen. Bei meinem Wiedereinstieg ins Hobby Ende der 90er habe ich ein Diorama (Märkische Heide) gebaut und dies in der Usenet Gruppe de.rec.modelle.bahn vorgestellt. Es ergaben sich diverse Diskussionen und so nach und nach wurde mir der Fremo nahegebracht. Für einige Jahre besuchte ich viele Treffen vor allem in Norddeutschland und das damals- einzigste Ost-Treffen in Wittgensdorf bei Chemnitz.

Heute bin ich der, der bisher um Modellbahnforen außer dem Usenet, eher einen Bogen gemacht hat, aber in diversen Modellbahngruppen bei Facebook aktiv.

Inzwischen bin ich Admin von mehreren Facebook-Gruppen unter anderem „Modellbahn Anfängertipps“ und „Modellbahn Gleispläne“. Dies ist für mich auch ein wenig, wie auf der “Ausstellung mit Leuten reden” nur eben virtuell. Gut, ab und an trifft man sich auch mal auf Ausstellungen und lernt sich persönlich kennen.

Was soll die Zukunft bringen?
Zum einen plane ich weitere Module für den Fremo. Dies werden der Marienschacht und der Bahnhof Possendorf der Windbergbahn sein, bisher habe ich ja nur einige halbfertige Streckenmodule. Beide Betriebsstellen bekommen so in etwa 690cm lange Module.

Weiterhin habe ich viele Ideen im Kopf, was ich hier auf “Modellbahn Heute” noch alles schreiben möchte und wo ich auch genug weiß, um mich halbwegs kompetent dazu äußern zu können.

Bisherige Beiträge auf Modellbahn Heute:

  1. Umstieg auf digital: Grundgedanken zur Umrüstung von analog auf digital

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