Der Wechsel von analog auf digital - Modelleisenbahn
Ein Fremo Arrangement. Anlagen dieser Größe sind kaum ohne Digitaltechnik zu betreiben. analog auf digital
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Der Umstieg von analog auf digital – Modelleisenbahn

Umstieg auf digital: Grundgedanken zur Umrüstung von analog auf digital

Für so manchen Analogbahner ist die Thematik: „Digital“ sehr undurchsichtig. Es gibt eine Vielzahl von Begriffe, Systeme und Meinungen, die mehr verwirren als für Aufklärung sorgen.

Wir möchten Euch in diesem Beitrag die Perspektive und Meinung von Mario aufzeigen. Er wird in den folgenden Zeilen versuchen ein wenig Aufklärung zu schaffen und zeigt auf, dass digitales Fahren nicht zwingend immer teuer sein mussDenn dies ist nicht nur abhängig vom System, sondern von der Art, wie der Modellbahner seine Fahrzeuge in Bewegung bringen möchte. 

Modellbahner Mario stellt sich persönlich vor

Modellbahner

Ich hatte meine erste Modellbahn Ende der 60er mit 5 Jahren. Allerdings sind wir uns über den genauen Zeitpunkt noch etwas im unklaren, es ist ja schon eine Weile her. Es war Spur TT und eigentlich der Klassiker mit 2 Kreisen in einem 2 gleisigen Bahnhof. So eine Anlage ist gut, um den Verwandten die Modellbahn vorzuführen- für ein Kind aber eher langweilig. Die Modellbahn und ich führten in der Folge eine On Off Beziehung. Modellbahnprojekte wurden angegangen, jedoch nie vollendet. Anfang der 80er bin ich von TT auf H0 gewechselt. Von da an war ich aber erst mal ein Schachtelbahner ohne eigene Anlage. Ende der 90 gab es dann für mich dann große Veränderungen was die Modellbahnerei angeht. Zum einen wurde ich Mitglied im Fremo, dort aber eher erst mal nur Mitfahrer ohne eigene Module und ich bin Mitglied im MEV Friedrich List Leipzig geworden. Vor allem letzteres gab mir die Möglichkeit mich in vielen Aspekten der Modellbahnerei auseinanderzusetzen und sehr viel zu lernen. Ich hatte mich dort dann hauptsächlich auf die Themen Gewässer, Landschaft und Felsen spezialisiert. Aus dem Verein bin ich aus persönlichen Gründen nach rund 14 Jahren Mitgliedschaft wieder ausgetreten und bin daher ausschließlich im Fremo aktiv.

Ihr wollt mehr über Mario erfahren?

In kürze werden wir einen umfassenderen Beitrag über das Leben von Modellbahner Mario veröffentlichen. Für die Modellbahncommunity auf Facebook ist er eine richtige Institution. Er ist Admin in mehreren Modellbahn Facebookgruppen, zum einen “Modellbahn Anfängertipps” und “Modellbahn Gleispläne” und Betreiber der Seite: “Poisentalbahn”. 

Fakten zur Umrüstung von analog auf digital- Mario berichtet

Zuerst möchte ich darauf eingehen, welche Komponenten und Möglichkeiten es überhaupt gibt und zeige Lösungen auf, wie man sie auch in Analog bewältigen kann.

Der wichtigste Unterschied:

Analog fährt manNormalerweise mit der Hand an einem, meist stationären Fahrregler, der oft auf dem Fahrtrafo montiert ist. Die Steuerung des Fahrzeuges erfolgt entweder indem der Trafo die Spannung ändert, was eher ungünstig ist, weil Loks so schlechter anfahren, oder per Impulsbreitensteuerung auf zeitgemäßere Art.

Bei Gleichstromanlagen dreht der Trafo die Polung, wenn man die Lok in eine andere Richtung fahren lassen will.

Digital fährt es sich etwas anders. Zum einen haben viele Fahrregler deutlich kleinere Ausmaße. Im Regler befindet sich eine kleine Platine, die einer bestimmten Lok den Befehl gibt mit der Geschwindigkeit X in vorgegebene Richtung in Bewegung zu setzen.

Auf dem ersten Blick sind die Unterschiede also quasi „unter der Haube“ Fakt ist aber, dass sich die Fahreigenschaften der Loks deutlich verbessern, wenn sie vernünftig programmiert wurden. Das hat zur Folge, dass sich die Loks sehr „weich“ in Bewegung setzen.

Schwierigkeiten bei der Umrüstung von digital auf analog

Die meisten Digitalsysteme setzen darauf, dass sich in jeder Lok ein Digitaldecoder sitzt.
Bei neueren Fahrzeugen ist das kein Problem, die überwiegende Mehrheit ist dafür vorbereitet. Man braucht den Decoder nur in eine vorbereitete Schnittstelle zu stecken. Etwas schwieriger wird es, wenn man einen Sounddecoder einbauen will oder eine ältere Lok digitalisieren möchte. Ersteres erfordert mehr Platz, vor allem für den Lautsprecher, letzteres  geht dann nicht ohne Löten. Bei einigen Fahrzeugen muss man sogar fräsen weil, sich kein Platz in der Lok für den Decoder befindet. Alte Motoren haben auch eine größere Stromaufnahme, die möglicherweise den einen oder anderen Decoder überfordern. Hier sollte man besondere Sorgfalt bei der Planung des Digitalumstieges walten lassen oder das Ganze überdenken. Es gibt aber genug Modellbahner, die so etwas schon erfolgreich durchgezogen haben.

Neben dem Fahren gibt es weitere Probleme auf der Modellbahn. Zubehör, wie Weichen und Signale wollen geschalten werden. Analog muss ich pro Weiche 2 Kabel (und für alle ein Massekabel) vom Schaltpult zur Anlage verlegen. Wenn ich eine Rückmeldung haben will sind es 4. Eine Anlage mit 20 Weichen hat dann schon mal einen Kabelbaum von 80 Kabeln zwischen Schaltpult und Anlage. Jeder abschaltbare Gleisabschnitt erfordert ein weiteres Kabel und es entsteht sehr schnell ein armdicker Kabelbaum. Das Ganze geht noch weiter… Jeder Automatismus erfordert entweder Relais oder entsprechende Halbleiterbauelemente, wo wir mit einem Bein schon im Digitalen sind. Sofern man das Schaltpult für den Digitalbetrieb selber baut, verlassen dieses zumindest theoretisch 2 Kabel. Eventuell auch gar keines, zumindest kein fest installiertes, wenn das Schaltpult sich an eines der digitalen Bussysteme anschließen lässt. Dies erfordert aber zum einen das jede Weiche und jedes Signal, die grundsätzlich erstmal analog arbeiten, ein Decoder zur Seite gestellt wird. Das gleiche müsste dann im Schaltpult passieren. Das heisst, dass ein Schaltvorgang in Schaltpult digitalisiert und digital übertragen werden muss. Es wird vom Weichendecoder, der praktischerweise in der Nähe der Weiche liegt, wieder analog in einen Schaltimpuls umgewandelt. Die Rückmeldung von der Weiche geschieht auf die gleiche Weise. Auch hier wird digitalisiert über das Bussystem zurück zum Schaltpult und dort lässt ein Decoder ein Lämpchen aufleuchten. Diesen letzten Schritt kann man sich sparen, wenn man auch das Schaltpult auf einen Monitor verlegt und und die Anlage per Maus oder Touchscreen mit einem Computer steuert. Auch Automatismen lassen sich so besser realisieren. 

Apropos Automatismen. Hier liegt glaub ich die größte Stärke von Digitalsystemen. Denn für eine analoge automatische Blockstelle müssen Relaises und weitere Bausteine dafür sorgen, dass Signale das richtige anzeigen, Züge an der richtigen Stelle halten und vor allem das weiche bremsen und anfahren ist dann eine große Herausforderung. Es ist sicher lösbar, denn die Modellbahner früherer Jahrzehnte haben dies ja auch geschafft, es ist aber nicht ganz so einfach.

 

Die für mich wichtigste Frage…  brauchen wir das alles?
Manche schon, denn Modellbahner unterscheiden sich nicht nur in Spurweite und Stromsystem, auch die Ziele und der Umgang mit der eigenen Bahn ist völlig verschieden.

Lassen wir mal diejenigen, die eigentlich nur bauen und die Anlage bestenfalls mal vorführen, aber eigentlich eher selten ihre Fahrzeuge fahren mal beiseite. Dann gibt es 2 Extreme. Die eine sind Diejenigen, für die es eine Herausforderung ist, alles zu digitalisieren. Und dies nicht nur auf der Strecke, es gibt Wendezüge und dank digitaler Kupplungen kann man sogar Rangierbetriebe andeuten. Der gesamte Fahrbetrieb erfolgt automatisch. So ein Modellbahner baut und lehnt sich beim Fahrbetrieb zurück. Er ist eigentlich Beobachter seiner eigenen Anlage. Bitte nicht falsch verstehen, dies ist keine Kritik nur der Versuch einer Kategorisierung.

Das exakte Gegenteil ist eine Anlage auf der es keinen Kreis gibt. Der Modellbahner fährt nach Fahrplan mit Fracht und Wagenkarten und ist oft nur mit einen einzigen Zug unterwegs. Manchmal lädt man auch Freunde zum „Fahrbetrieb“ ein. Da werden dann Rollen verteilt, „Fahrdienstleiter“ und mehrere „Lokführer“. Auch dies soll weder Kritik noch Idealbild sein. Es zeigt nur auf, wie unterschiedlich unsere Ziele sind. Das hat Auswirkungen  auf die Art und Weise der Digitalisierungsfrage. Wir, also alle anderen Modellbahner und damit die überwiegende Mehrheit, sind irgendwo mehr oder weniger zwischen diesen beiden Extremen anzutreffen.

Aber zurück zu den beiden Extremen. Während Ersterer, egal ob nun digital oder analog, nicht um eine Materialschlacht herum kommt, kann sich letzterer deutlich beschränken. Meine Ex-Vereinsanlage hatte einen 100kg Schaltschrank, um die zahlreichen Weichen und Blockabschnitte der Anlage analog zu bespielen. Digital hat dies die Größe eines kleinen PCs oder eines Tablets den man in das Schaltpult einlassen kann. Es gibt aber durchaus Digitalbahner, die ihre Weichen mit mechanischen Hebeln mit der Hand stellen.

Tipp: Rüste deine Loks nach und nach von analog auf digital um

Niemand wird gezwungen all seine Loks umzurüsten. Man muss sie nur umrüsten, wenn sie fahren sollen. Zumindest bei mir ist es so, das zahlreiche Loks, die ich unbedingt haben wollte für den Einsatz auf der Anlage aus verschiedensten Gründen gar nicht eignen. Diese sind natürlich nicht digitalisiert. Sie sind in der Vitrine und werden sie wahrscheinlich auch nie verlassen, zumindest nicht auf die Anlage.

Was will ich damit sagen?
Ganz einfach, Digitaltechnik muss nicht teuer sein. Einen Computer hat fast jeder, zumal ein Steuercomputer für die Modellbahn kein Superrechner sein muss. Etwas geeignetes bekommt man für wenig Geld gebraucht. Die Steuersoftware für den PC-Computer gibt es teilweise kostenlos, teilweise für einige 100 Euro. Es gibt sogar bei einem Hersteller ein Paket, mit Software, Zentrale und einem Mini Pc. Die Verbindung läuft heute über USB zwischen PC und Zentrale- manchmal kabellos über WLAN, zwischen verschiedenen Geräten. Bei meiner alten Uhlenbrok Intellibox ist die Verbindung noch seriell.

Wichtiger ist es eventuell die Art und Weise, wie man das Hobby betreibt zu überdenken.

Bevor Du von analog auf digital Umrüstest mache Dir folgende Gedanken:

  • Muss man 100 Loks haben?
  • Müssen die wirklich alle digitalisiert werden, um auf der 2,50m langen H0 Anlage zu fahren?
  • Muss man alles automatisieren oder kann man mehr Wert auf eine handbetriebene Betriebsform legen, indem Züge möglicherweise auch nicht wie Rennwagen im Kreis fahren, um virtuelle Fahrgäste oder Frachten von A nach B zu transportieren? Das Güterwagen auch an Ladestellen zugestellt werden und Güterzüge nicht zusammengestellt werden, bei den die Wagen nach der Farbe sortiert werden, also ein vorbildnäherer Betrieb?

Die Kernfrage ist vermutlich:
Wie viel möchte man selbst steuern, wie viel rangieren oder nur zuschauen?

All diese Fragen sind je nachdem, wie man sie für sich und sein Hobby selber beantwortet, von Einfluss für die Entscheidung, ob man digitalisiert und für welches System man sich entscheidet.

Apropo System. Hierzu möchte ich mich nicht äußern, weil es da andere Modellbahner gibt, die wesentlich kompetenter sind und auch den Überblick über verschiedene Systeme haben. Einen Beitrag hierzu gibt es im Dateibereich in der Gruppe: “Modellbahn Anfängertipps” von Christian Ziegler.

Die wichtigsten Komponenten für den Umstieg von analog auf digital

Ich möchte nun zum Schluss nur noch auf die wichtigsten Komponenten eingehen, die es bei Digitalsystemen gibt.

Die Zentrale
Die Zentrale ist bei vielen Systemen ein relativ teures “Zentrum” des Systems. Grundsätzlich erzeugt sie die Digitalsignale, die die Anlage zum Leben erwecken lässt. Es gibt Zentralen die enthalten Fahrregler, Weichensteuerungen, interne Booster, Fahrstraßensteuerungen und vieles mehr. Andere Zentralen befinden sich in Fahrreglern oder bestehen aus einer kleinen preiswerten Platine, die lediglich je einen Anschluss für das Bussystem und den Computer bereithält sowie alles weitere auf den Computer auslagert.

Das Bussystem
Das Bussystem verteilt das Digitalsignal von der Zentrale auf das Digitalzubehör. So können Booster, Zubehördecoder oder Fahrregler an dieses Bussystem angeschlossen werden. Die Bussysteme verwenden oft genormte Kabel und Steckverbindungen. Beim Loco-Net sind dies 6 adrige Kabel mit RJ-12 Steckern.

Der Booster
Der Booster verstärkt das Digitalsignal und versorgt dafür, dass die Fahrzeuge mit ausreichend Strom erhalten. Booster sind auch diejenigen, die im Falle eines Kurzschlusses, diesen feststellen und den Stromfluss trennen. Bei den meisten Boostern wird ein Signal zur Zentrale gesendet, das diese den Kurzschluss anzeigt. Dies ist für kleinere Anlagen von Vorteil, bei großen Modulanlagen vom großen Nachteil, weil man dann die gesamte Anlage nach dem Fehler absuchen muss. Booster werden direkt mit dem Gleis verbunden.

Die Decoder
Die Decoder sind die Empfänger der Digitalsignale. Sie sind sind entweder als Fahrzeugdecoder in den Loks eingebaut und setzen dort die über den Fahrregler und der  Zentrale empfangenen Signale und die über das Bussystem und den Booster digitalen Signale in Bewegung um und bieten oft zahlreiche weitere Funktionen über Licht, Sound bis hin zu einer digital gesteuerten Kupplung.

Andere Decoder haben in Personenwagen die Aufgabe auf Befehl, die Innenbeleuchtung an und auszuschalten, steuern Weichen und Signale oder die Lämpchen im Schaltpult. In der Anwendung gibt es kaum Genzen.

Die Rückmeldung
Die Rückmeldung stellt fest, wo sich welche Züge auf der Anlage aufhalten. Die Bauweisen und Systeme unterscheiden sich sehr deutlich, letztendlich werden auch sie am Bussystem angeschlossen und senden ihre Signale zur Zentrale zur weiteren Verarbeitung. Diese Signale werden dann, von der Zentrale verarbeitet und auf einem Display oder dem Schaltpult angezeigt.

Hier geht es zur vollständigen Vorstellung von Modellbahner Mario

 

 

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